Das Swisstweets-Dilemma: Schliessen oder (zu günstig) verkaufen?

Bild 1Matthias Gutfeldt, Betreiber des Schweizer Twitterverzeichnis Swisstweets, hat angekündigt, dieses Ende dieser Woche zu schliessen.

Interessant daran ist, dass die Website lange Zeit zum Verkauf ausgeschrieben war. Wie ich weiss, hats bereits im Februar konkrete Kaufangebote gegeben, allerdings deutlich unter zum Teil kursierenden Preisschätzungen. Ein Verkauf kam aber offenbar bis heute nicht zu Stande, dafür war die Site eine Zeit lang mit Google Ads zugekleistert und erhielt einen Spenden-Button.

Ob sich Swisstweets im Nachhinein ärgert, nicht zu einem günstigeren Preis, als erhofft, verkauft zu haben? Oder anders gesagt: Ist es sinnvoller, ein Webprojekt einzustampfen als es günstig zu verkaufen und am Leben zu halten?

Zuerst gilt es mal zu klären, wieviel Geld ein Webprojekt denn wert sein kann. Dazu habe ich einen interessanten Artikel gefunden, aus welchem ich ein paar Aussagen zitieren möchte:

Some people will tell you a business should be sold for ten times it’s gross profit, or 5 times average revenue or 2 times last years total revenue. EBizBrokers state that generally an e-business website is worth three to six times earnings before interest and tax, so if your website profits are $100,000 you have an asset worth $300,000.

Nun, gemäss diesen Berechnungen hätte Swisstweets praktisch keinen Wert, denn es gibt kein eigentliches Geschäftsmodell und darum auch keine Umsätze, aufgrund welchen sich ein Preis berechnen liesse. Doch es gibt Potential. Ein Käufer könnte eine Idee haben, wie er mit Swisstweets Geld verdienen kann. Oder eine Firma könnte die Website aus Imagegründen («Twitter ist cool, lasst uns mitmachen!») weiterbetreiben und -entwickeln. Oder ganz andere, kreative Gründe könnten dafür sprechen, das Projekt zu übernehmen. Es ist also durchaus legitim, einen Verkauf zu versuchen. Aber zu welchem Preis?

As with traditional business, website business or even just a hobby site that brings in money, it’s hard to determine a selling price. What you need to consider are what you will be happy to walk away with and what the numbers tell you.

Der springende Punkt ist also, bei welchem Preis sich der Betreiber einer Website gut fühlt nach dem Verkauf. Schliesslich hat man viele Stunden Aufwand und meist auch viel Herzblut in das Projekt gesteckt. Dieser Mindestpreis wurde Matthias offenbar nie geboten, weshalb Swisstweets auch nicht verkauft wurde.

Die Frage bleibt jedoch bestehen: Ist es besser, die Website nun einfach zu schliessen als diese subjektiv gefühlt zu günstig abzugeben?

Eine endgültige Antwort kann es nicht geben. Meine Meinung ist, dass ein Projekt, welches offenbar ein gewisses Interesse anzieht (und daher wegen Zeit- und nicht Besuchermangel nicht mehr betreut werden kann) und welches in seiner Art nicht einfach austauschbar ist, wenn möglich weiterbestehen sollte. Wäre es nicht sinnvoller, Swisstweets günstig oder evtl. gar kostenlos an einen kompetenten Nachfolger weiterzugeben? Selbstverständlich kommt damit das Risiko, dass die Plattform nicht mehr im Sinn der Initiators weitergeführt wird. Doch dieses Risiko besteht auch bei einem Verkauf – blog.ch lässt grüssen.

Vielleicht besteht das Problem einfach darin, dass wir dazu neigen, denn materiellen Wert unserer (unkommerziellen) Webprojekte zu überschätzen. Wir rechnen uns aus, wieviele Stunden wir daran gearbeitet haben und wieviel Geld wir dafür erhalten möchten. Wir denken an die schlaflosen Nächte, welche wir durchprogrammiert haben. Dabei vergessen wir aber, dass wir dies aus Freude getan haben, dass es ein Hobby war. Wir haben in die Währung Leidenschaft investiert. Leider gibt es dafür keinen offiziellen Wechselkurs in Schweizer Franken. Der Betrag, den wir uns für ein Projekt wünschen, ist oft ausserhalb des Bereichs einer Privatperson. Soll eine Firma unser Projekt übernehmen müssen wir daran denken, dass dies meist im Rahmen einer Investition geschieht und sich irgendwie ausbezahlen soll – entweder in einem Imagegewinn und mit der Erschliessung oder Erweiterung eines Geschäftsbereichs, was bei einer Site wie Swisstweets nicht ganz einfach ist.

Bestimmt tun wir gut, uns daran zu erinnern:

your site is worth how much someone is willing to give you…

Kommentare

2 Responses to “Das Swisstweets-Dilemma: Schliessen oder (zu günstig) verkaufen?”

  1. sprain on September 19th, 2009 17:44

    Swisstweets hat ernst gemacht und ist jetzt geschlossen:
    http://www.swisstweets.ch/

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  1. September 18th, 2009 21:21
    Lehrstellenboerse.ch

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