Angetestet: NZZ Selekt. Die News-App, bei der ich mal voll als Zielpublikum fühle

Dieser Beitrag enthält später hinzugefügte Updates am Ende des Texts.

«Wir wollen mobilaffine Leser ansprechen, die mehr wollen als nur Nachrichten, denen aber ein volles NZZ-Abonnement zu umfassend ist.»

Diese Aussage von NZZ-Sprecherin Myriam Käser gegenüber persoenlich.com hat mich aufhorchen lassen – denn für einmal habe ich mich beim Launch eines der vielen neuen journalistischen Produkte sofort angesprochen gefühlt. Grund genung, der neuen Smartphone-App NZZ Selekt eine Chance zu geben.

Die Eckdaten
NZZ Selekt liefert täglich um 16:00 eine Auswahl von rund 10 Artikel aus dem Angebot der NZZ. Die Nutzung kostet CHF 10.00 pro Monat und ist monatlich kündbar.

Warum ich denke, dass das Konzept funktionieren kann
NZZ Selekt löst viele Punkte richtig, die mich an anderen News-Projekten bisher gestört haben. Dass sich Online-Journalimus finanzieren muss, ist klar. Das Problem der Paywall-Lösungen bisher ist aber, dass diese viel Geld verlangen um auch auf banalste Inhalte und weitherum kostenlos verfügbare Agentur-News zuzugreifen. NZZ Selekt bietet da die ideale Ergänzung: Ein in vernünftigem Rahmen kostenpflichtiger Zugang zu Reportagen und Hintergrundartikeln mit Mehrwert. Dieses Angebot stimmt für mich.

Zudem haben die Artikel eine sinnvolle Länge. Die Lesedauer beträgt in der Regel um die fünf Minuten. Das reicht, um interessantes Wissen zu vermitteln – auch mal kurz unterwegs. Gleichzeitig schaut man so auch mal in ein Thema rein, bei welchem das Interesse für endlos scrollende Texte dann doch nicht ausreicht.

Die App im Test
Die App selbst kommt ansprechend daher. Richtigerweise wurde viel Wert auf Lesbarkeit gelegt, was sich in einer praktischen Funktionspalette zur Anpassung von Helligkeit, Kontrast und Schriftgrösse zeigt.

Grosse Bilder leiten einen gut in den Artikel ein, werden innerhalb des Texts dann aber sparsam und ohne den Lesefluss zu stören verwendet.

Ein ausführlicher FAQ-Bereich und klar ersichtliche Kontaktdaten runden den guten Gesamteindruck ab.

Etwas Mühe hatte ich zu Beginn damit, dass der erste Screen nicht alle Artikel auflistet sondern lediglich die einzelnen «Tages-Pakete». Sichtbar ist dabei jeweils nur die erste Headline aller Artikel, die nach Klick geladen und dann angezeigt werden. Hat man dieses Navigationskonzept einmal verstanden, ist die Handhabung kein Problem mehr. Es wäre trotzdem schön, wären gleich alle neuen Stories zu Beginn sichtbar.

Etwas schade ist, dass ein unattraktiver Banner für das NZZ-Magazin die ansonsten schöne Startseite der App verunstaltet.

Fazit
Ich habe einen sehr guten ersten Eindruck von NZZ Selekt. Es ist die erste News-App oder -Plattform, bei welcher ich mir vorstellen kann, diese langfristig kostenpflichtig zu nutzen. Baldige Iterationen sind bereits angekündigt worden und ich freue mich zu sehen, welche Verbesserungen diese mit sich bringen werden.

Update, 19. Mai 2015, 09:00 Uhr:
Mit NZZ Selekt will man bewusst ein neues Zielpublikum erreichen. Bestehende NZZ-Abonnenten haben zurzeit keinen Zugang zur App. Das birgt natürlich Konfliktpotential: Will man diesen den Zugang zur App verwehren, da sie ja bereits über anderen Weg Zugang auf die Inhalte haben? Will man riskieren, dass einige Vollabonnenten auf einen Selekt-Zugang downgraden? Kann man jene, die das in Betracht ziehen, überhaupt davon abhalten?

Wie die letzliche Lösung aussehen wird, ist noch offen. Die NZZ bietet aber bereits manchmal Hand, dass auch Abonnenten Zugang erhalten:

Sonntagslinks, Vol. 19

Swisscom: Mit selbstfahrenden Autos gegen die Netzneutralität (andreasvongunten.com)
«Die Medien in der Schweiz berichten unisono vom “Swisscom-Auto”, obwohl völlig klar ist, dass es sich eben nicht um ein Swisscom-Auto handelt, sondern um ein AutonomosLabs-Auto. […] Es geht überhaupt nicht darum, dass die Swisscom Erfahrungen für die Mobilität der Zukunft sammeln will, sondern darum bei den politischen Entscheidungsträgern als “Google” der Schweiz in Erinnerung zu bleiben.»

Das Finale bekam die Bombe, die es brauchte (welt.de)
«Weil das Fernsehen, die Unterhaltung, keine Moralinstanz ist. Weil sie nur abbildet, was uns, den Zuschauern, Spaß macht. […] Und so war alles wie immer. Die große belanglose Langweile im Fernsehen, und die Menschen zuhause, die sich, so verbringen sie ihre Freizeit, darüber aufregen.»

Cola-Hack: Sicherheitslücke auf meinecoke.de (quadhead.de)
«Es wäre doch lustig, wenn man nicht nur langweilige Vornamen auf Coca-Cola-Flaschen drucken lassen könnte, sondern auch mal sowas wie “Pepsi”. Bei meinecoke.de geht das eigentlich nicht, ich hab es aber trotzdem ganz offiziell gemacht.»

Sonntagslinks, Vol. 18

Die Event-Maschine (brandeins.de)
«Eine interne Regel verbietet es Red-Bull-Athleten, bei Medienauftritten mehr als ein Kleidungsstück mit Red-Bull-Logo zu tragen. […] Die Marke gibt sich große Mühe, nicht zu nerven.»

Redacted for Mac Launch (blog.soff.es)
«Yesterday [this little app I’ve been working on] hit the App Store. [It] was #8 top paid in the US and #1 top paid in Graphics at the end of launch day. This morning I got up and looked at how much I had made. […] It’s pretty nuts.»

The Product CEO Paradox (bhorowitz.com)
«A founder develops a breakthrough idea and starts a company to build it. […] The board or CEO Coach then advises the founder to “trust her people and delegate”. And then the product loses focus and starts to look like a camel. […] How can we prevent that?»

Jäger unter Wasser (sueddeutsche.de)
«Das Revier von Mazdak Radjainia liegt vor Neuseeland, hier […] fotografiert [er] die blutige Realität des Speerfischens.»