Sonntagslinks, Vol. 8

«Viele Hi-Fi-Fans können offenbar das Gras wachsen hören»
«Wenn jemand für 2000 Euro ein Kabel kauft, dann hat er natürlich das Gefühl, die Musik klinge besser.»

What Happened When I Spent a Month Away from My Company
«I’ve always been curious about how someone else would do my job. […] And it was awesome!»

top 10 myths of silicon valley
«… if the stars magically align for a favorable acquisition, consider yourself very lucky (not necessarily gifted).»

Und ein Video:

Zum Launch von nzz.at: Die zwei Probleme von Paywalls

Die NZZ lanciert ihren digitalen Österreich-Ableger nzz.at und stattet diesen mit einer sogenannt «harten Paywall» aus. Das heisst, dass ausnahmslos nur zahlende Kunden auf die Inhalte zugreifen können (Update: wobei – irgendwie doch nicht ganz).

Dass Verlagshäuser beginnen, ihre Onlineportale kostenpflichtig zu machen ist verständlich, richtig und eigentlich längst überfällig. Doch gibt es bei allen Angeboten, die für mich bisher in Frage gekommen sind, zwei Schönheitsfehler. Aus diesem Grund habe ich bisher auch noch keinen entsprechenden Zugang gekauft.

1. Viele statt nur einer
Das Prinzip «News lesen» hat sich grundsätzlich verändert. Während es früher üblich war, sich pro Haushalt auf eine Zeitung zu einigen und diese zu abonnieren, surft man heute auf vielen unterschiedlichen Portalen. Ich lese beinnahe täglich Inhalte der Berner Zeitung, der Zeit und des Spiegels. Sporadisch kommen und gehen andere Anbieter.

Ich werde kein Interesse haben, auf all diesen Plattformen separat einen Account zu bezahlen. In der Regel handelt es sich nämlich nicht um Peanuts. Bis zur Einführung der Paywall war «Der Bund» meine Newsquelle Nummer 1. Neu würde mich der unbegrenzte Zugang mindestens CHF 288.00 pro Jahr kosten. Die österreichische NZZ kostet jährlich 168 Euro. Wenn ich weiterhin 3-5 Plattformen nutzen will bezahle ich bald locker CHF 1’000 pro Jahr oder mehr.

Diesen Betrag ist mir persönlich zu hoch. Gleichzeitig habe ich aber auch keine Lust, mich auf nur eine Plattform zu beschränken. Die Vergrösserung der Wahl durch das Internet gibt man ungern auf.

2. Werbung trotz Bezahlung
Die nzz.at rühmt sich damit, nur spärlich Werbung einzublenden. Allerdings widerspricht dies einem ungeschriebenen Gesetz, welches sich online eingebürgert hat: Wer bezahlt, muss sich keine Werbung anschauen. Die Zeitungen sehen dies aber anders. Sowohl «Der Bund» wie auch die schweizerische NZZ blenden zahlenden Usern ebenfalls weiterhin Werbung ein.

In der gedruckten Zeitung mag dies funktioniert haben. Online gelten aber andere Regeln.

Mein Fazit:
Der Versuch von Verlagen, online Geld mit Journalismus zu machen zielt am Publikum vorbei. Man kann alte Gewohnheiten nicht auf neue Medien aufzwingen, sondern muss sich anpassen. Man versucht quasi, endlich vom Pferd aufs Auto umzusteigen, will aber den Sattel beibehalten.

Lachende Dritte, so sehr mir das missfällt, dürftigen einmal mehr trashige Gratiszeitungen und deren Online-Portale sein.

Niuws: Ausgewählte News für twitternde Pendler

Niuws ist eine heute veröffentlichte Smartphone-App für iOS und Android aus der Schweiz, über welche ausgewählte Kuratoren die aus ihrer Sicht relevanten News zu verschiedenen Themengebieten aus unterschiedlichen Quellen sammeln und zugänglich machen.

Die zurzeit verfügbaren 15 Themengebiete (in der App «Boxes» genannt) zielen auf den klassischen Twitter-User, wobei Personen in Entscheidungspositionen innerhalb des deutschsprachigen Gebietes als offizielles Zielpublikum angezielt werden. Die App soll auf dem Arbeitsweg im Zug den Überblick über die relevanten News geben, so die Idee. Thematisch stehen Digitales, Medien und Unternehmertum im Fokus. Als «Twitter ohne das nervige Drumherum» beschreibt Peter Hogenkamp, CEO der dahinterstehenden Firma Newscron, entsprechend auch die App.

In absehbarer Zeit soll das Spektrum auf 30 Themenboxen anwachsen. Jede Box wird täglich mit ein bis fünf Verlinkungen zu Newsartikeln gefüttert, welche jeweils vom entsprechenden Kurator auch mit einem Kurzkommentar versehen werden.

Gute erste Version mit Verbesserungspotential

Im ersten Testlauf auf dem iPhone funktioniert die App einwandfrei und kommt übersichtlich daher. Ein schöner Unterschied zum Beispiel zu Flipboard, welches zwar schön aussieht, aber für meinen Geschmack überhaupt keinen Überblick bietet.

Auffallend ist, wie stark die Kuratoren in den  Vordergrund gerückt werden. Dies ist bestimmt Absicht, um die Glaubwürdigkeit und Qualität der Inhalte zu fördern, sind es doch bekannte und respektierte Namen aus der digitalen Szene, welche die App unentgeltlich und neben der alltäglichen Arbeit mit Inhalten füttern. Für den täglichen Einsatz dürfte es wünschenswert sein, die eigentlichen Inhalte prominenter zu machen und die Köpfe dahinter etwas dezenter anzuzeigen.

Wünschenswert wäre, wenn man den eigenen Boxen auch ohne App  im Browser folgen könnte. Leider ist eine reine Kapselung auf die App ein Trend, der seit Instagram immer weitere Kreise zieht. Ebenfalls praktisch wäre es, die App ohne Erstellung eines Accounts folgen zu können – aufgrund der momentan vorhandenen Funktion gibt es keine zwingenden Grund für eine Registration.

Die Bezeichnungen der «Boxes» sowie der Aufruf «Add a box!» um ein neues Themengebiet in meine Auswahl hinzuzufügen, liess bei mir den falschen Eindruck aufkommen, dass grundsätzlich jedermann zum Kurator werden kann. Dies ist momentan jedoch nicht vorgesehen, jedoch für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Ein möglicher Grund für diese Verwirrung meinerseits könnte die Verwendung des englischen Begriffs «Box» sein, welcher im Rahmen dieser App in einem unüblichen Zusammenhang verwendet wird.

Sowieso, die Sprachen: Die App zielt auf deutschsprachiges Publikum. Die Benutzeroberfläche der App ist jedoch in Englisch gehalten, wobei die Titel der einzelnen Boxes sowie die meisten verlinkten Inhalte wiederum Deutsch sind. Es ist zu hoffen, dass konsequenterweise eine lokalisierte Version mit deutscher Oberfläche noch folgen wird.

Grösster Kritikpunkt meinerseits ist jedoch der Name: «Niuws», als phonetische Schreibweise des englischen «News», ist meiner Meinung nach einfach nur peinlich. Zudem dürfte der Name grössere Probleme bereiten, möchte man doch einmal ausserhalb des deutschsprachigen Bereiches aktiv werden. Das inhaltliche Potential dazu wäre durchaus vorhanden.

Schwieriges Geschäftsmodell

Geld machen will Niuws damit, Grossfirmen quasi Intranet-Boxen anzubieten, welche dann von den Mitarbeitern konsumiert werden können. Der Markt dafür dürfte nicht sehr gross sein, die technischen Hindernisse andere Lösungen für Newssammlungen einzusetzen auch nicht. Bleibt noch die Möglichkeit, dass Niuws spezialisierte Kuratoren rekrutiert und den Firmen anbietet – ein Modell, welches wenig skaliert und womit fraglich ist, ob dies ein erfolgsversprechender Weg ist.

Gespannt auf die Startphase

Gegen 1000 User hat Niuws in den ersten Stunden gesammelt. Diese werden nun gespannt verfolgen, ob ihnen die Kuratoren in den kommenden Tagen auch wirklich relevante und interessante Artikel vorsetzen werden. Wenn nicht, dürfte die App bald wieder von den Smartphones verschwinden. Wenn doch, muss sich zeigen, wie ausdauernd und motiviert die Kuratoren sein werden. Dass ein auf unbegrenzte Zeit laufendes Projekt im Nebenamt auf die Dauer auch lästig werden kann, habe ich selbst auch schon erleben müssen. Es ist zu hoffen, dass die Kuratoren da konsequenter sind, als ich es bin.